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Warum wird freie Software programmiert, wo doch der Programmierer oder
die Programmiererin diese hergibt, ohne dafür Geld zu
erhalten?16
Die Gründe sind vielfältig und bei jedem Programmierer
verschieden. Einige Gedanken sollen hier aufgezählt werden:
- Der Programmierer erhält dafür von anderen, die auch freie
Software entwickeln, gute Programme, und muß diese nicht selbst
schreiben. Da die anderen in der Überzahl sind, sogar mehr, als er
jemals selbst erarbeiten könnte.
- Die eingesetzten Tools (Compiler, Entwicklungsumgebung) sind
auch frei, daher braucht er weniger Einkünfte. Die einzig
nennenswerte Investition, die zur Softwareentwicklung
benötigt wird, ist die Arbeitszeit. Dadurch unterscheidet sich die
Softwarebranche von vielen modernen Branchen, die oft enorme
Investitionen erfordern.
- Durch Mitarbeit an einem Softwareprojekt kann man sich einen
guten Ruf erarbeiten. Die Freie-Software-Szene wird oft als
``Community'' (,,Gemeinde``) bezeichnet ...Insofern ähnelt die
Freie-Software-Szene der staatlich finanzierten Forschung - kein
Zufall.
- In der Weltanschauung des Programmierers ist eine Welt, in der
die Gesellschaft das Recht an einer Schlüsseltechnologie, der
Informationstechnologie, genauer Softwaretechnologie, besitzt,
wesentlich wünschenswerter als eine, in der diese von einer oder
wenigen Firmen kontrolliert wird.
Trotzdem müssen auch Programmierer leben. Manche haben einen Job in
der Softwarebranche, wo sie nach dem klassischen Modell
proprietäre Software programmieren. Andere sind hauptberuflich
Akademiker oder Studenten. Weitere leben von Support und Consulting.
Zunehmend gibt es aber auch Firmen, die bereit sind, für die
Entwicklungskosten von Software aufzukommen, obwohl die Software
anschließend als Freie Software für alle nutzbar ist. Aber was soll
die Firma tun, wenn sie diese Software braucht und kompetente
Entwickler nur Freie Software herstellen wollen? Dafür sind ja die
Entwicklungskosten geringer (keine kostenpflichtigen
Entwicklungswerkzeuge müssen bezahlt werden), das Ergebnis
aufgrund des Open-Source Modells besser, und die Pflege problemloser,
da andere Nutzer auch Fehler ausmerzen.
Die Bezahlung der Entwicklungskosten scheint für Software wesentlich
angemessener als die Bezahlung pro verkauftem Stück. Während die
Entwicklungskosten je nach benötigter Arbeitszeit relativ hoch sind,
sind die Kosten für die Vervielfältigung dank moderner Datenträger
(CD-Rom) und Internet verschwindend gering.
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Kurt Garloff
2000-10-25