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Oberfläche

Auch Un*x-Systeme haben seit einiger Zeit eine graphische Oberfläche: X-Windows, oder X11 genannt. Dabei ist der Ansatz anders als unter MS-Windows gewohnt: Wie immer bei Un*x wurde auch hier Wert auf Netzwerkfähigkeit gelegt. So können graphische Anwendungen über Netzwerk bedient werden. Dies geht nicht nur zwischen zwei Linux-Rechnern, sondern auch zwischen zwei beliebigen Un*x-Rechnern mit X11, z.B. einer IBM RS6000 unter AIX und einer SGI Octane unter Irix.9

Grund dafür ist eine Client-Server Architektur: Die graphische Oberfläche, der X-Server stellt allen Programmen (Clients) eine Schnittstelle zur Verfügung, um z.B. Buchstaben, Pixel, Linien, Flächen, Fenster usw. auf den Bildschirm zu bringen. Diese Schnittstelle ist nun systemunabhängig definiert und netzwerkfähig.

Unter Linux kommt die freie Variante von X-Windows, XFree86, zum Einsatz.

Wer X-Windows Programme einsetzt, stellt fest, daß die Programme sehr unterschiedlich aussehen, im Gegensatz zu MS-Windows, wo ein relativ einheitliches Aussehen anzutreffen ist. Dies liegt daran, daß X-Windows sich auf elementare Dinge wie Linien beschränkt, aber nicht vorgibt, wie ein Fenster auszusehen hat. Dies hängt im wesentlichen von zwei Dingen ab:

Diese Vielfalt ist für jemanden schön, der genaue Vorstellungen davon hat, wie ein Desktop idealerweise aussieht, z.B. weil er von einem anderen System umsteigt und sich einen möglichst ähnlichen Desktop schaffen möchte. Andererseits erleichtert die Tatsache, daß kaum zwei Un*x-Desktops gleich aussehen, und jedes Programm eine andere Benutzerführung besitzt, die Eingewöhnung nicht gerade.

Es gibt zwei umfassende Projekte, ein einheitliches Aussehen der Oberfläche und der Programme zu erschaffen: KDE und GNOME. Beide beinhalten ein Toolkit, Fenstermanager, Dateimanager, sowie ein Framework zur Konfiguration und Sitzungsmanagement der Programme und zur Kommunikation zwischen ihnen. Die Oberfläche ist bei beiden ein wenig der Workplace Shell von OS/2 nachempfunden (die übrigens auch von Win95 nachgeahmt wird), wobei es Objekte in Form von Icons gibt, die man auf der Oberfläche ablegen und über ein Kontextmenü manipulieren kann. KDE ist in seinem Entwicklungsstand etwas fortgeschrittener, wird aber von manchen Verfechtern freier Software abgelehnt, da das zugrundeliegende Toolkit ( Qt) nicht in jeder Hinsicht frei ist.10

Ein wichtiges Werkzeug unter X-Windows ist jedoch auch weiterhin das xterm,11 oder einer seiner Abkömmlinge, rxvt, kvt, konsole, eterm, gnome-terminal, ein Programm, das eine Textmodus-Konsole in einem Fenster darstellt, worin man dann wieder eine Shell benutzen kann.


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Kurt Garloff
2000-10-25